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IM GESPRÄCH · REDAKTIONELLER ENTWURF

Warum wir eine europäische Lösung benötigen

Fragen und Antwortvorschläge für ein Interview mit Prof. Dr. Andreas Lauterbach über Forschungssicherheit, europäische Verantwortung und EUVIMED.

Herr Prof. Dr. Lauterbach, warum benötigen wir eine europäische Lösung?

Prof. Dr. Lauterbach: Medizinische Forschung funktioniert international. Gerade deshalb sollten wir die Wege zu ihrem Wissen auf mehrere tragfähige Grundlagen stellen. Wenn eine einzelne Infrastruktur für zahlreiche Forschungsprozesse zum Engpass wird, betrifft jede Störung auch Kliniken, Hochschulen und Bibliotheken in Europa. Wir brauchen die Fähigkeit, diese Prozesse eigenständig fortzuführen und ihre Qualität zu prüfen.

Ist das eine Abkehr von der amerikanischen Wissenschaft?

Prof. Dr. Lauterbach: Eine europäische Lösung lässt sich nur mit dem Wissen und den Standards der internationalen Wissenschaft sinnvoll aufbauen. PubMed und MEDLINE sind Leistungen von enormem Wert. Zusätzliche europäische Verantwortung soll ihre Nutzung ergänzen und die Zusammenarbeit auf eine breitere Basis stellen. Wissenschaftlicher Austausch und technische Vorsorge gehören zusammen.

Was meinen Sie mit Autonomie ganz konkret?

Prof. Dr. Lauterbach: Wir müssen mehrere Ebenen unterscheiden: den Betrieb der Plattform, die Speicherung der Bestände, die Suchlogik und die fortlaufende Bereitstellung neuer Daten. Ein Server in Deutschland beantwortet erst einen Teil dieser Fragen. Wenn neue Nachweise nur aus einer einzigen externen Quelle kommen, besteht auf dieser Ebene weiterhin eine Abhängigkeit. Seriöse Aussagen zur Autonomie müssen diese Grenzen sichtbar machen. Deshalb werten wir bei EUVIMED zahlreiche internationale Quellen aus, um sicher zu gehen, dass wir das Publikationsbild komplett darstellen.

Was ist der Ansatz von EUVIMED?

Prof. Dr. Lauterbach: Wir verbinden einen eigenen Recherchezugang mit Werkzeugen für die weitere Arbeit. Es reicht im Alltag selten, einen Titel zu finden. Menschen wollen eine Frage eingrenzen, Literatur sichten, Erkenntnisse einordnen und Ergebnisse dokumentieren. Dazu kommen unterschiedliche Perspektiven von Medizin, Pflege, Therapie und Gesundheitswissenschaft. Genau an diesen Arbeitsabläufen setzt unsere Produktidee an.

Warum spielt deutschsprachige Fachliteratur eine Rolle?

Prof. Dr. Lauterbach: Versorgung findet in konkreten Gesundheitssystemen statt. Sprache, berufliche Ausbildung und organisatorische Bedingungen prägen die Fachpraxis. Deutschsprachige Publikationen können hier wichtige Ergänzungen liefern. Gleichzeitig muss der Zugang zu internationaler Forschung erhalten bleiben. Wir wollen beide Perspektiven verbinden und die Herkunft jedes Nachweises erkennbar halten.

Worin soll EUVIMED besser sein als andere Angebote?

Prof. Dr. Lauterbach: Unser Anspruch muss sich an Aufgaben messen lassen: Wie gut finden Nutzerinnen und Nutzer relevante Quellen? Können sie die Suche erklären? Wie reibungslos gelingt die weitere Auswertung? Die Verbindung von Suche, Quellenarbeit und Research Suite ist unser Schwerpunkt. Ob sie in einem bestimmten Anwendungsfall besser funktioniert, sollte ein transparenter Vergleich zeigen. Pauschale Überlegenheitsbehauptungen helfen niemandem.

OLSPub gilt als europäischer Lösungsansatz. Wie ordnen Sie das ein?

Prof. Dr. Lauterbach: Die Initiative macht deutlich, wie wichtig Datenzufuhr, Erschließung, verlässlicher Betrieb und langfristige Verantwortung sind. Das sind Fragen, an denen sich jedes Angebot messen lassen muss. EUVIMED verfolgt einen eigenen Produktansatz. Wir können im Bereich Datenbanken auf umfassende Expertise zurückgreifen. So betreiben wir u.a. mit CareLit seit vielen Jahren die wichtigste Datenbank für deutschsprachige Publikationen in den Gesundheitsberufen.

Welche Rolle sollte KI spielen?

Prof. Dr. Lauterbach: KI kann beim Formulieren einer Suchfrage, beim Strukturieren von Texten und beim Erschließen von Literatur helfen. Entscheidend sind sichtbare Quellen und die Möglichkeit, Aussagen am Original zu prüfen. Eine flüssig formulierte Antwort ist noch kein wissenschaftlicher Nachweis. Die fachliche Bewertung und die methodische Verantwortung bleiben bei den Menschen, die die Ergebnisse verwenden.

Kann EUVIMED PubMed vollständig ersetzen?

Prof. Dr. Lauterbach: Ja, können wir! Und unser Datenbestand geht weit darüber hinaus: EUVIMED verbindet MEDLINE mit Crossref, CareLit und weiteren internationalen Quellen. So machen wir zusätzlich zu biomedizinischer Fachliteratur auch Publikationen aus Pflege, Therapie und Gesundheitswissenschaft zugänglich. Mit CLARA und LIVIA unterstützen wir zudem die weitere Literaturarbeit – von der Recherche bis zur strukturierten Auswertung.

Was erwarten Sie von Hochschulen und Bibliotheken?

Prof. Dr. Lauterbach: Sie können ihre typischen Rechercheaufgaben einbringen und Ergebnisse kritisch vergleichen. Besonders wertvoll sind nachvollziehbar dokumentierte Fragen: Welche Literatur fehlt? Welche Filter funktionieren? Wo scheitert ein Export oder eine Quellenprüfung? So entsteht eine Entwicklung, die an tatsächlichen Arbeitsproblemen ansetzt.

Wie lässt sich der dauerhafte Betrieb finanzieren?

Prof. Dr. Lauterbach: Verlässliche Infrastruktur braucht einen tragfähigen Betrieb. Bei EUVIMED gibt es einen begrenzten kostenlosen Einstieg und kostenpflichtige Zugänge. Entscheidend ist, Leistungen, Grenzen und Preise verständlich zu beschreiben. Europäische Verantwortung lässt sich nur einlösen, wenn Entwicklung, Pflege und Unterstützung auch langfristig getragen werden können. Dafür suchen wir Projektpartner, die sich mit ihrem Wissen, finanziellen Mitteln und Förderung in EUVIMED einbringen. Gemeinsam möchten wir eine leistungsfähige europäische Wissensinfrastruktur langfristig stärken und weiterentwickeln.

Was wäre Ihr wichtigster Wunsch für die europäische Wissensinfrastruktur?

Prof. Dr. Lauterbach: Dass wir ihren Wert im täglichen Betrieb anerkennen und Verantwortung verbindlich organisieren. Dazu gehören mehrere Bezugswege für Daten, dokumentierte Verfahren, fachliche Qualitätssicherung und ein realistischer Blick auf Kosten. Eine belastbare europäische Lösung entsteht durch kontinuierliche Arbeit und überprüfbare Fortschritte.

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Quellen und Einordnung

Redaktioneller Stand: 17. Oktober 2026. Historische Aussagen sind mit dem Veröffentlichungszeitpunkt ihrer Quelle zu lesen. Die Projektziele von OLSPub sind keine Zusagen von EUVIMED.